Lothar Kleine-Horst:

Empiristische Theorie der Gefühlswirkung von Farben

Inhalt:

Bei Wahrnehmung von Bunt- bzw. Unbuntfarben treten bestimmte Gefühle auf. So wirkt z.B. Rot erregend, Blau beruhigend. Zur Erklärung dieser Erscheinungen dient die Hypothese, daß der Mensch aufgrund seiner Triebstruktur und Daseinsthematik diese Gefühle ursprünglich gegenüber bestimmten überall vorkommenden "Universalobjekten" (bzw. in bestimmten "Universalsituationen") entwickelt. Da diese Objekte eine bestimmte Eigenfarbe besitzen, treten - so die Theorie - als Folge eines Lernprozesses nach einiger Zeit die gleichen Gefühle bereits bei alleiniger Wahrnehmung dieser Farbe auf (ähnlich wie im Falle der Pawlowschen Hunde).

Danach sollten also mit der Wahrnehmung dieser Farben Gefühle assoziativ verknüpft sein, die aus psychologischen Gründen im Menschen angesichts des (blauen) Himmels, der (gelben) Sonne, der (grünen) Vegetation, des (roten) Feuers, des (brauen) Erdbodens oder der (brauen) Fäkalien sowie der ("schwarzen") Nacht und des ("weißen") Tags auftreten müssen.

Aus Literaturangaben u.a. über

  1. die Bevorzugung bestimmter Farben durch bestimmte Persönlichkeitstypen von Kindergartenkindern und
  2. die Bevorzugung von Farben durch bestimmte Gruppen von Erwachsenen, die einem farbpsychologischen Persönlichkeitstest unterzogen worden sind, sowie
  3. Äußerungen insbesondere von Künstlern über den "Gefühlscharakter", den "Gefühlston", die "Anmutungsqualität" von Farben

werden die tatsächlich auftretenden Farb-Gefühlswirkungen ermittelt. Diese erweisen sich als übereinstimmend mit den aus der "Begegnung" des Menschen mit jenen o.a. Universalobjekten und Universalsituationen theoretisch herleitbaren Gefühlswirkungen.

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