Aus
Lothar Kleine-Horst:
"Evolutionär-psychologische Theorie des Sehens. Auftakt zu einem neuen wissenschaftlichen Weltbild." Köln 1992 (Teil 6 II)
[In eckigen Klammern befinden sich Kommentare aus 2005]

 

  Die "Auflösung" einer Figur durch konzentrative Aufmerksamkeitsabwendung

1. Der Versuch und seine Ergebnisse

Im folgenden wird ein Beobachtungsversuch beschrieben, den jedermann wiederholen kann. Als Versuchsobjekt dient die 8-kammrige Figur 6. Ordnung der Abb.6-11. Diese Figur ist eine  sog."Kippfigur";. als solche ist sie (bzw. eine ihr ahnliche) in der traditionellen Gestaltpsychologie bekannt. Betrachtet man sie, so sieht man in der Regel nicht das 8-kammrige Quadrat (Figur 6.Ordnung), sondern ein "Flügelkreuz", nämlich entweder die Figur 5 A oder die Figur 5 B (Figuren 5.Ordnung). Nach einiger  Zeit "kippt" die Auffassungsweise A in die Auffassungsweise B um und umgekehrt; dieses Wechselspiel geht so lange weiter, wie man die Reizkonfiguration 6 A anblickt, und zwar nicht starr anblickt.

Abb. 6-11. Ordnungsstufensystem komplexer Figuren

Dieses Kippen zu beobachten oder zu untersuchen war nicht mein Anliegen. Ich wollte vielmehr erfahren, was geschieht, wenn ich meinen Blick starr auf den Mittelpunkt der Figur richte. Mit dieser Methode versuchte ich diejenigen Reizverhältnisse zu simulieren, die mit Hilfe kostspieliger technischer Hilfsmittel - namlich kleiner auf der Hornhaut des Auges befestigter optischer Systeme - zur Stabilisierung des Netzhautbildes führen. Solche Untersuchungen wurden in den USA gemcht (z.B. von Pritchard, Heron und Hebb, 1960) und man hat beobachtet, daß die "stabilized images" nach einiger Zeit verschwinden. Das Verschwinden betraf oft nicht sofort die ganze Figur, sondern erfolgte stufenweise, wobei bestimmte Figurteile bevorzugt verschwanden, nämlich besonders frühzeitig und besonders häufig. Leider verpassten die Untersucher die Chance, mit Hilfe dieser Methode den hierarchischen Aufbau des visuellen Wahrnehmungssystems aufzudecken.

Ich "stabilisierte" die Netzhautbilder des von mir beobachteten Reizmusters allein durch Blickfixation  Um eine genügende Starre des Blicks zu erreichen, muss man etwas üben. Ich fixierte nicht "den Mittelpunkt" der Figur, denn dieser Mittelpunkt hat als Kreuzungsstelle von Linien mit gewisser Breite selbst eine gewisse Ausdehnung, so daß der Blick, wenn man ihm den Spielraum der Kreuzungsstelle läßt, nicht so fixiert ist,  wie er sein könnte. Ich wählte daher ein winziges Papierfaserpünktchen auf der Kreuzungsfläche aus und übte mich im Beibehalten dieses Pünktchens als der Fixationsstelle.

Schon nach kurzer Fixationszeit beginnt sich die anfängliche Figur zu ändern: sie verliert nach und nach und stufenweise ihre Komplexität, wird einfacher und verschwindet dann ganz. Der Abbau des Wahrnehmungsgebildes erfolgt keineswegs über die Glieder der anfänglich gesehenen Figur, nicht also über Dreieck und Gerade, vielmehr lösen sich zunächst die vier Flügeldreiecke auf; die acht von einem Punkt ausgehenden Dreiecksseitenlinien werden zu acht Armen zweier Kreuze, die in der Tiefe gestaffelt hintereinander liegen. Bei weiterer Fixation lösen sich die acht Kreuzarme in vier doppelt so lange gerade Linien auf, die sich in der Mitte kreuzen. Sie berühren sich aber nicht, sondern sind ebenfalls in der Tiefe gestaffelt und führen in unterschiedlichen Tiefenebenen aneinander vorbei. Jede der Linien nimmt eine unterschiedliche Raumlage ein. Sie bilden, da sie hintereinandergestaffelt sind, keine Winkel miteinander.

Bei weitergehender - schon schwieriger einzuhaltender - Blickfixierung verformen sich die Enden der Linien zu gerade verlaufenden Wellenlinien. Die äußersten Wellenteile hellen sich mehr und mehr auf, und die Linien werden dabei auch kürzer, und schließlich setzt für den Bruchteil einer Sekunde die Wahrnehmung der Figur, also die Wahrnehmung von "was Schwarzem", vollständig aus; man sieht nur noch das Weiß des Papiers. [Genau genommen, kann ich nur berichten, wie ich die Dinge gesehen habe; bei anderen Versuchspersonen mögen die Stadien etwas anders verlaufen.]

 

2. Die funktionalen Wirkungen der Aufmerksamkeitszuwendung

Aufmerksamkeitszuwendung ist ein dynamischer Vorgang, der willentlich und unwillentlich in Gang gesetzt werden kann. Mit der Blickzuwendung auf ein Objekt wird dem Objekt zugleich auch Aufmerksamkeit zugewendet. Mit der Blick-/ Aufmerksamkeitszuwendung auf eine bestimmte Stelle der Umwelt ist - wie jedermann weiß (Nr. 5, S.50) - ein konzentrisches räumliches Wirkungsgefälle verbunden. Die Wirkung der Blick-/Aufmerksamkeitszuwendung ist an der Stelle, auf die der Blick (die Aufmerksamkeit) gerichtet ist, am stärksten; je weiter weg von der angeblickten Stelle sich ein Objekt befindet, um so geringer ist die Aufmerksamkeitszuwendung auf dieses Objekt.

Wenn man so will, kann man von einem  "räumlichen  Aufmerksamkeitsgradienten" sprechen. Seine Bedeutung ergibt sich aus der funktionalen Wirkung der Aufmerksamkeitszuwendung. Wie jedermann weiß, nimmt man ein Objekt um so differenzierter wahr, je stärker sich die Aufmerksamkeit auf es richtet. Konzentriert man die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte punktuelle Stelle eines Objektes wie im Falle des Versuchs, so wird diese Stelle äußerst differenziert wahrgenommen, die Stellen und Objektteile in der Umgebung um so weniger differenziert, je weiter weg vom Blickpunkt sie liegen, je penpherer auf der Netzhaut sie sich abbilden. Nach der 3-Bereiche-Theorie der visuellen Wahrnehmung sind Gestaltfunktionen die unmittelbaren Bedingungen von Gestaltqualitäten. Eine Ent-Differenzierung und somit der Wegfall einer Gestaltqualität bedeutet somit De-Aktualisierung der diese Gestaltqualität bedingenden Gestaltfunktion.

Wenn die vom Blickpunkt weiter entfernte Reizquelle weniger differenziert gesehen wird als die blickpunktnähere, dann liegt das nicht an der Stärke der Sinnesreize. An den Sinnesreizen hat sich nichts geändert; sie treffen in derselben Stärke auf periphere Netzhautteile, wie sie zentrale Netzhautteile treffen würden, wenn man die Reizquelle unmittelbar anblickte. Dass peripher abgebildete Objekte weniger differenziert wahrgenommen werden als zentral abgebildete, muß eine Wirkung der Verminderung der Aufmerksamkeitszuwendung sein. Der dynamische Vorgang der Aufmerksamkeitszuwendung bzw. -abwendung hat insofern eine funktionale Wirkung: die der Progression bzw. der Regression der Aktualisierung der Funktionenhierarchie für die Wahrnehmung (Detektion) einer Reizquelle. Da die Aufmerksamkeitszuwendung auf eine Stelle die Aufmerksamkeitsabwendung von den anderen Stellen zur Folge hat, muß Konzentration der Aufmerksamkeitszuwendung auf die Mitte eines Objektes die fortschreitende De-Aktualisierung der Funktionenhierarchie "von oben nach unten" für die peripheren Objektteile hervorrufen, und zwar werden die jeweils periphereren Bezirke mehr deaktualisiert als die mehr zentral gelegenen. Es muß somit eine von der Peripherie zum Mittelpunkt (Blickpunkt) fortschreitende Deaktualisierung bzw. Entdifferenzierung stattfinden.

Nun ist anzunehmen, daß die Deaktualisierung irgendwo um die konzentriert angeblickte Stelle aufhört, weil ja hier höchste Aufmerksamkeitszuwendung herrscht; eine vollständige Deaktualisierung mit völliger Nicht-Wahrnehmung von "was Schwarzem" ist somit gar nicht zu erwarten. Nun ist allerdings ein weiteres Aufmerksamkeitsgesetz zu berücksichtigen; es besagt, daß "mit der Zeit" die Aufmerksamkeitsstärke abnimmt. Anders ausgedrückt: mit steigender Zeitdauer der Darbietung eines Reizmusters mit bleibendem Blickpunkt verringert sich die Aufmerksamkeitszuwendung an allen Stellen, also auch an der Stelle höchster Konzentration der Aufmerksamkeit. Daß die De-Aktualisierung in Richtung auf die Peripherie forschreitet,ist eine Wirkung des räumlichen Aufmerksamkeitsgradienten. Daß die De-Aktualisierung darüberhinaus auch sämtliche Stellen des Reizmusters betrifft, und zwar unabhängig von der räumlichen Position der Teile des Reizmusters zum Blickpunkt, ist eine Wirkung des zeitlichen Aufmerksamkeitsgradienten. Es wird nun gezeigt, dass die Auflösungsstadien tatsächlich als durch Regression der Aktualisierung der uns bekannten Formfaktoren bedingt aufgefaßt werden können wie auch als Abbau der die phänomenale Komplexität bedingenden funktionalen Hierarchieschachtel.

 

3. Phänomenologie und Ordnungsstufen-Funktionologie
der Auflösungsstadien

Stadium 1

Es ist das Stadium, in dem die vierarmigen Windmühlenflügel gesehen werden; diese sind bereits Gestaltungen, für die sich die Hierarchieschachtel 6. Ordnung etwas entschachtelt hat. "Normale" Aufmerksamkeit wendet sich mal hierhin,  mal dorthin auf das Reizmuster, so dass auf das Objekt als Ganzes Aufmerksamkeit von relativ geringer Stärke gerichtet ist: zu wenig, um das Objekt längere Zeit als Figur 6. Ordnung sehen zu können. Diese stellt sich zwar oft beim ersten Anschauen des Reizmusters ein, entdifferenziert sich aber bald zu einer Flügelfigur  der einen oder der anderen Version, und es bleibt bei dieser mehr "verteilten" Aufmerksamkeit auf zwei miteinander alternierenden Figuren 5. Ordnung.

Abb. 6-11. Ordnungssystem komplexer Figuren

Wie Abb. 6-11 zeigt, baut sich jede dieser Figuren 5. Ordnung aus vier Figuren 4. Ordnung auf, nämlich aus den flügelartigen "Strichdreiecken", diese wiederum aus drei Figuren 3. Ordnung, nämlich aus geraden doppelkonturigen Linien (3 E). Abb.6-18 A zeigt das im l. Stadium vorhandene Phänomen (wenigstens eines von zwei möglichen). Abb.18 B zeigt das Strukturschema der funktionalen Hierarchieschachtel, durch die das Phänomen bedingt ist. je drei Figuren 3. Ordnung bilden eine Figur 4. Ordnung; vier Figuren 4. Ordnung bilden eine Figur 5. Ordnung (Das Schema entspricht in seiner Art dem in Abb.6-3 gezeigten.)

Abb. 6-18. Stadium 1

Abb. 6-19. Stadium 2

 Stadium 2

Bei weiterer Fixation des Mittelpunktes des Reizmusters löst sich nicht nur das Flügelkreuz selbst auf, sondern auch jeder Flügelarm, und man sieht zwei hintereinanderliegende vierarmige Kreuze (Abb.6-19 A). Die Kreuze stehen merkwürdig unverbunden hintereinander, weil sie in der Tiefe gestaffelt sind und daher nicht eigentlich eine Oberfigur miteinander bilden; es wird weniger eine Zweiheit von (Kreuz-)Figuren erlebt, es werden eher zwei einzelne (Kreuz-)Figuren erlebt. Es gibt noch eine dritte Figur, die ihrerseits als nicht mit dem Kreuz verbunden erlebt wird: ein Quadrat, das - undeutlich und später kaum noch beachtet - um die Kreuzarme herumzieht (19 B, auch 18 A).

Warum sich diese drei Perzepte bilden statt etwa vier "natürliche" Perzepte "Flügelarm", ist leicht einzusehen, wenn man die funktionologische Bedeutung des räumlichen Aufmerksamkeitsgradienten in Betracht zieht. Gewiß, bei "verteilter" Aufmerksamkeitszuwendung auf das Reizmuster blickt man mal auf diese und mal auf jene Stelle des Objektes, also mal auf den einen Flügelarm, mal auf den anderen, denn diese sind unter den "natürlichen" Aufmerksamkeitsbedingungen der verteilten Aufmerksamkeit die "natürlichen" Unterfiguren der Figur"Windmühlenflügel". Konzentriert man aber seine Aufmerksamkeit ,,künstlich" auf den Objektmittelpunkt, so befinden sich die kleinen Flügelarmseiten relativ weit vom Blickpunkt entfernt. Diese Stellen erhalten damit relativ wenig Aufmerksamkeitszuwendung, sie unterliegen somit großer Tendenz zur Deaktualisierung der ihre Wahrnehmung bedingenden Gestaltfunktionen. Sie treten im Wahrnehmungserleben in den "Hintergrund", wo sich bereits die zu den Flügeln ohnehin nicht "gehörenden" "Ecken" des Reizmusters befinden (gestrichelt in Abb.18 A). Diese in den Hintergrund tretenden Reizmusterteile verbinden sich zum Erleben eines "Quadrates" (19 B).

Sowohl Balkenkreuze (19A ) als auch Balkenquadrat (19B ) sind Figuren 4. Ordnung. Für das Quadrat ergibt sich die Ordnungsstufe aus Abb.6-11, 4D. Das Kreuz besteht aus vier gerade erstreckten Figuren, also aus Figuren 3. Ordnung, und stellt somit ebenso wie das Quadrat eine Figur 4. Ordnung dar (Abb.6-11, 4C).

Abb.19 C gibt die Ordnungsstufen-Funktionologie der Erlebensweise des Stadiums 2 wieder: drei einzelne Figuren 4. Ordnung aus je vier Figuren 3. Ordnung. Vergleicht man nun die Hierarchieschachtel im 2. Stadium mit der im l. Stadium, so ist erkennbar, in welcher Hinsicht und in welchem Maße ein Abbau der Verschachtelung erfolgt ist:

  1. Es ist die Figur 5. Ordnung weggefallen (l00%iger Abbau)
  2. Es gibt nicht vier, sondern nur drei Figuren 4. Ordnung (25%iger Abbau).
  3. Die Anzahl der Figuren 3. Ordnung pro Figur 4. Ordnung ist allerdings angestiegen: :von 3 auf 4. Die Gesamtzahl der Figuren 3. Ordnung ist jedoch die gleiche geblieben wie im l. Stadium, nämlich 12.
  4. Die Verhältnisse bezüglich der Figuren 2. und l. Ordnung sind unverändert.

Stadium 3

Weitergehende Blickpunktkonzentration erfordert schon etwas mehr Anstrengung, dürfte dennoch von jedermann gut zu bewerkstelligen sein: die Kreuze lösen sich auf; das Quadrat verschwindet praktisch ganz aus dem Bewußtsein (Erleben). Es bleiben vier einzelne gerade Balken. Sie sind nicht miteinander irgendwie verbunden und liegen in der Tiefe gestaffelt hintereinander. Es ist merkwürdig, selbst wenn man versucht, sie als eine  Ganzheit" von vier Figuren zu sehen: es gelingt kaum.  Die einzige erkennbare Beziehung zwischen ihnen besteht darin, dass wechselweise mal die eine Linie  "vorn" ist (durchgezogene Linie in Abb. 20 A), mal eine andere, während die vorher vorn liegende räumlich hinter die andere tritt (gestrichelte Linien).

Abb. 6-20. Stadium 3

Die Funktionologie der Hierarchieverschachtelung ist klar: es gibt vier einzelne Figuren 3. Ordnung. Der Unterschied zu Stadium 3 besteht im Ausfall der Figuren 4. Ordnung. Damit reduziert sich die Zahl der Figuren 3. Ordnung von 12 auf 4. Die Figuren 3. Ordnung haben im 1, 2. und 3. Auflösungsstadium die gleiche "innere" Struktur: es sind "gerade erstreckte Figuren" (Abb.20B ).

Stadium 4

Während die Entdifferenzierung der Figur 6. bis zur Figur 3. Ordnung für denjenigen, der nur dieses Kapitel bis hierhin gelesen hat, noch einigermaßen plausibel ist, sind Stadien 4 und 5 nur für denjenigen nachvollziehbar, der auch Kapitel I dieser Schrift, und der die Theorie der Figurwahmehmung kennt. Denn in Stadium 4 passiert etwas Hochinteressantes: man kann es begreifen, wenn man konsequent "nach unten" denkt, ebenso konsequent, wie sich die Hierarchie der Wahmehmungsfunktionen "nach unten" deaktualisiert.

Die Stadien 1 bis 3 betrafen stets die gesamte oder fast die gesamte Reizgegebenheit, im 1. Stadium fielen lediglich vier "Ecken" aus der Betrachtung aus, sie traten in den Hintergrund, waren zwar noch wahrzunehmen, nahmen aber keinen Anteil mehr an dem eigentlichen und im Vordergrund stehenden Flügelmuster. Im Stadium 2 fielen die letzten Reste der quadratischen Außenkontur des Perzeptes 6. Ordnung aus der Wahrnehmung aus, zumindest aus dem Verband des eigentlich Wahrgenommenen.

Das Stadium 4 aber zeichnet sich von den bisherigen dadurch aus, daß an ihm ein Fortschreiten des funktionalen Abbaus in Richtung des räumlichen Aufmerksamkeitsgradienten erkennbar ist. (Abb. 21).

Abb. 6-21. Eine der vier Linien im Stadium 4

Um den Blickpunkt herum, die Stelle höchster Aufmerksamkeitskonzentration, herrschen noch die Verhältnisse, die für Stadium 3 beschrieben worden sind: 4 gerade Linien, in der Tiefe hintereinander herziehend. Für sie gilt die funktionologische Darstellung der Abb. 20.

An den vom Blickpunkt weiter entfernt liegenden Teilen der Linie fällt nun offensichtlich der Gestaltfaktor "Geradheit" aus: die Enden der Linien sind nicht mehr gerade, sondern wellig gebogen. Insgesamt, betrachtet man die Linie als Ganze,  ist Geradlinigkeit noch vorhanden, denn als Ganze erstreckt sich die Wellenlinie gerade; alle homologen Stellen der Linie, z.B. die untersten Wellentäler, bilden eine gerade Linie! Aber im einzelnen, d.h.innerhalb kleiner retinaler perzeptiver Bezirke je eines Bogens nach unten und eines Bogens nach oben,  ist Geradlinigkeit nicht mehr gegeben. Nun wurde oben (S. 24) gesagt, "Bogigkeit" sei ebenso wie Geradheit die Wirkung ein und desselben Faktors. Diese Aussage soll auch so stehen bleiben; auf der anderen Seite ist zu fragen, ob hier überhaupt "Bogigkeit" vorliegt. Es besteht zu dieser Annahme keine Notwendigkeit: die einzige mit allem bisher Gesagten in Übereinstimmung befindliche Interpretation der Wellenlinie ist folgende:

Betrachtet man eine der vier Linien im Stadium 4 als Ganze (Abb.21), so muß sie als eine "gerade erstreckte Figur" aufgefaßt werden, also als eine Figur 3. Ordnung. Diese Auffassung gilt auch für die relativ lange wellenfönnige Strecke: auch sie ist als Ganze "gerade erstreckt", wie in Abb. 22 A gezeigt. Die Geradheit der Wellenlinie resultiert aus der Gleichheit der Orientierung "homologer" Stellen, z.B. der Wellentäler. Die untersten Talpunkte, aneinandergereiht, ergeben tatsächlich eine gerade (Punkt)linie. Jedes Glied der Wellenlinie, bestehend etwa aus Wellenberg und Wellental (Abb. 22 B) kann nicht als "gerade" bezeichnet werden, wohl als "erstreckt", nämlich von x nach y, und auch von y nach x. Erst eine Mehrheit aufeinanderfolgender Wellenberg/Wellental-Glieder aktualisiert in gewissem Maße den Gestaltfaktor "R", der zum Erleben von "Geradheit" der Wellenlinie als Ganzer führt.

Abb. 6-22 (links). Zur Entdifferenzierung einer geraden Linie                    Abb. 6-23 (rechts).Zwischenstadium

Für die Wahrnehmung noch kleinerer Bezirke wird nicht mehr (oder doch in viel geringerem Maße) "Erstrecktheit" aktualisiert, etwa für den "Halbkreis" in  Abb. 22 C. Für diesen Objektteil, falls er peripher abgebildet wird und für die Wahrnehmung seiner eine fortgeschrittenere De-Aktualisierung angenommen wird, kann nicht einmal mehr die Gestaltqualität "Erstrecktheit" bzw. "Orientiertheit" produziert werden. Ein solcher Kleinbezirk neigt dazu, sich zu einer Figur (l. Ordnung) zu schließen. Ganz klappt das nicht, aber die Linie schließt sich "halb", und zwar in raffinierter Weise einmal zur einen Seite hin halb, dann zur anderen Seite hin halb. So ist sowohl für den kleinen Bezirk der Schließungstendenz als auch für den großen Bezirk der Geradheitstendenz Genüge getan, und es entsteht als Kompromisslösung eine "gerade Wellenlinie". 

Stadium 5

Eine weitere Veränderung tritt in der Figur des Stadiums 4 auf: die Linien werden kürzer, d.h. die Enden verschwimmen und "lösen sich auf": zu interpretieren mit der beginnenden De-Aktualisierung nun auch der unterhalb der "Figur"(F)-Stufe liegenden Gestaltfaktoren wie Inhomogenität, wie auch Helligkeitsunterschied.  Wenn Dm nicht mehr aktualisiert wird, dann ist kein Unterschied in der Helligkeit des weißen Papiers und der der Kreuzlinien-Druckerschwärze wahrzunehmen; man sieht dann an diesen Stellen keinen Farbunterschied mehr - nur noch das Weiß des Papiers, d.h.es liegt eine "Figur 0. Ordnung", also "keine Figur", vor. Auch dieses Verschwommenerwerden (I+-Abbau) und Blasserwerden (Dm-Abbau) beginnt deutlich an den peripheren Linienenden und schreitet zum Fixationspunkt vor.

Der hier beschriebene phänomenale Verlauf der Deaktualisierung beruht auf meinen vor einigen Jahren angefertigten Notizen und Zeichnungen. Ich weiß nicht mehr, woher ich die Figur hatte, d.h. ich kann keine Angaben machen über die Maße der Figur, ihre Breite, die Breite der Striche, das Verhältnis der Dreiecksbreiten der alternative Flügelmuster. Als ich den Beobachtungsversuch jetzt mit einer selbst angefertigten Vorlage wiederholte, bestätigte sich der generelle Gang der Entdifferenzierung; ich erhielt aber auch einige Zwischengestaltungen, so die in Abb.6-23: das eine Kreuz sah ich räumlich vor dem anderen, das sich noch ganz im Verband des Quadrates befand.

  

4. Formfaktoren-FunktionoIogie der Auflösungsstadien

 Im vorigen Kapitel wurde die funktionale Entschachtelung der Versuchsfigur von einer Figur 6. Ordnung bis zu einer Figur "nullter Ordnung" aufgezeigt. Hierbei war es zuweilen nötig, von Form-Faktoren zu sprechen, um den Verschachtelungsgrad (Komplexität, Ordnungsgrad, Ordnungsstufe) zu bestimmen. In diesem Kapitel soll die Regression in der Aktualisierung von formbildenden Gestaltfaktoren bei der "Auflösung" der Versuchsfigur näher beschrieben werden. Die Beziehungen zwischen Ordnungsstufen, Aufmerksamkeitszuwendung sowie Figur-, Form- und Zahlfaktoren bleiben dabei noch etwas ungenau; sie sollen in der folgenden Schrift (Nr.7) präziser dargestellt werden.

Gestaltfaktor "W"

Beginnen wir mit dem Übergang vom l. Stadium (18 A) zum 2. Stadium (19 A) der Auflösung - unter Vernachlässigung der Ecken des Quadrates. In Anlehnung an die Terminologie bei der Darstellung der Aktualgenese einer Figur (Nr.5) läßt sich sagen, daß vom l. Stadium zum 2.Stadium hin eine De-Aktualisierung des Gestaltfaktors "Orthogonalität' (W) erfolgt: das Flügelkreuz besteht aus vier "reizadäquat' spitzwinkligen Dreiecken. Jeder Winkel (er ist eine bestimmte Orientierungsbeziehung) ist mit Hilfe des Gestaltfaktors "W" erlebbar, der nur seiner formativen Wirkung wegen  "Rechtwinkligkeit" (bzw."Parallelität") heißt.  Was die erlebte Größe der um den Mittelpunkt herum zwischen je zwei benachbarten Linien befindlichen insgesamt acht "spitzen" Winkel  anbetrifft, so können wir die Gestaltung des Stadiums 1 als "reizadäquat-informativ" bezeichnen. Eine solche Gestaltung hatten wir bei Behandlung der "Aktualgenese einer Figur" (Nr.5) mit "Wr" signiert. Die Erlebensweise "zwei hintereinander liegende Kreuze" im Stadium 2 dagegen muß als eine "reizinadäquat-formative" Gestaltung angesehen und mit "Wf" gekennzeichnet werden. Reizinadäquat ist sie schon deswegen, weil die Reize sich nicht in unterschiedlichen Tiefen befinden, sie aber in unterschiedlicher Tiefe wahrgenommen werden. Dadurch "gelingt" es dem Wahrnehmungssystem, andere Linien als aufeinandertreffend in eine Winkelbeziehung zu bringen - wobei aus acht "spitzen" Winkeln acht "schöne rechte Winkel" werden. Der Übergang von "Wr" zu "Wf" ist funktionologisch eine Regression in der Aktualisierung des Gestaltfaktors "W". 

Es gibt beim Übergang vom l. zum 2. Stadium eine zweite Regression des Gestaltfaktors "W": im Stadium 1  gibt es außer den Winkeln um den Mittelpunkt herum am Flügelende weitere je zwei Winkel (wenn man die Linien der Quadratecken unberücksichtigt läßt) oder 4 Winkel (wenn man sie mit berücksichtigt). Beim Übergang zum Stadium 2 entfallem diese Winkel. Die Regression  in der Aktualisierung des Gestaltfaktors "W", die sich hierin äußert, besteht im Ausfall der Aktualisierung von "W". 

Der Übergang vom 2. zum 3. Auflösungsstadium ist zum einen durch eine weitere Regression des Faktors "W" gekennzeichnet. Weil vier hintereinander liegende Linien gesehen werden, die sich nicht schneiden, ist kein Gestaltreiz für die Aktualisierung von "W" = "Rechtwinkligkeit" vorhanden (vgl. Nr.7, S. 29 f). Die Aktualisierung von "W" fällt ganz aus.

Gestaltfaktor "M"

Betrachten wir das "Schicksal" des Gestaltfaktors "M", so muß seine "reizadäquate" Aktualisierung im Stadium 1 angenommen werden, denn es werden Flügeldreiecke mit ungleichlangen Kanten wahrgenommen, die "objektiv" ja auch im Reizmuster zu finden sind. Für den Übergang zum Stadium 2 kann man eine Regression der Aktualisierung von ,,~, ansetzen, denn nun gibt es im Stadium 2 keine ungleichen Längen mehr: nur acht gleichlange Linien; aus "Mr" wird "Mf".

Beim Übergang vom 3. zum 4. Stadium entfällt die Aktualisierung des Faktors M ganz, denn es fehlt der Gestaltreiz für sie: es gibt "reizmäßig" nur eine einzige Linie (orientierte Erstreckung), nicht aber wenigstens zwei, deren Längen (Abstände der Enden) miteinander verglichen werden könnten, falls man nicht willkürlich eine "Haltestelle" zwischen ihnen einrichten will (vgl Nr.7, S. 23 ff). 

Gestaltfaktor "R" 

In allen Stadien 0 bis 3 wird der Gestaltfaktor "R", der die Unterschiede aufeinanderfolgender Orientierungen detektiert, "reizadäquat-informativ" aktualisiert, denn alle Linie sind "gerade" Linien, und als solche werden sie auch erlebt. Im Stadium 4 nun beginnt der Ausfall der Aktualisierung des Faktors "R": der Ausfall betrifft die peripheren Kleinbezirke der Linienfigur. Wir dürfen dann diese halbkreisförmigen Bögen nicht als "bogig" bezeichnen und auffassen - das ergibt keinen Sinn, weil es keinen Gestaltreiz für "Bogigkeits"-Erleben gibt (vgl.Ausführungen über "formlose Kreisscheibe" in Nr. 5). 

Allerdings: für die Linienfigur als Ganze wird R durchaus aktualisiert; denn die Linie samt ihren wellenförnigen Enden ist insgesamt "gerade erstreckt" erlebbar. Wir haben es hier mit einer - bisher noch nicht erwähnten dritten Form der Progression bzw. Regression der Aktualisierung eines Gestaltfaktors zu tun. Wir erkennen, dass für das Perzept des Stadiums 4 der Faktor "R" keineswegs vollkommen ausgefallen ist, auch nicht für die Wellenlinien. Es hat sich lediglich der retinale Bezirk, über den "Geradheit" aktualisiert wird, vergrößert; "gerade" sind nicht wie bisher auch kleinste Teilbezirke, sondern nur die etwas größeren Teile der Figur. 

Was für den materialen (retinalen) Bezirk gilt, gilt auch für den hypothetischen funktionalen Bezirk, in dem die Gestaltreize wirkend gedacht werden müssen; gilt auch für den phänomenalen Bezirk, der in bestimmter Größe nötig ist, damit eine bestimmte Gestaltqualität sich ausprägen kann. Der  Vergrößerung des Bezirks bei der Regression der Aktualisierung entspricht die Verkleinerung des Bezirks bei der Aktualisierungsprogression. Wenn die Bezirke, die an der Wahrnehmung beteiligt sind, kleiner werden, so heißt dies, daß die funktionale Detektorenhierarchie für kleinere Details aktualisiert werden kann als dies bei größeren Bezirken möglich ist. Verkleinerung der Bezirke bedeutet somit Differenzierung des Perzeptes durch Vermehrung des Verschachtelungsgrades. Ein Beispiel: bei "großbezirklicher" Wahrnehmung des Reizmusters in Abb.6-24 nimmt man eine "Linie" wahr. Will man "genauer" wahrnehmen, muß man die Funktionenhierarchie für die Detektion in etwas kleineren Bezirken einsetzen; dann sieht man eine "Linie aus Figuren". Noch genauere, detailliertere, Betrachtung erfordert den nochmaligen Einsatz der Funktionenhierarchie (und den mehrmaligen zu gleicher Zeit) für noch kleinere Bezirke: man sieht dann eine "Linie aus Figuren in Sternform). Diese Mehrfachform der Progression bzw. Regression der Aktualisierung wurde - ohne dass sie als eine 3. Form bezeichnet wurde - bereits bei der Behandlung der Hierarchieverschachtelungen "angewandt".

Abb. 6-24. Linie von Figuren in Sternform

Auf eine 4. Form, in der sich Progression und Regression der Aktualisierung äußern können, sei noch hingewiesen: auf die Verstärkung bzw. Abschwächung der Intensität der Gestaltqualität. Je stärker die Aktualisierung eines Gestaltfaktors ist, desto intensiver ist  seine spezifische Gestaltqualität. Ein Beispiel für die Abschwächung der Intensität einer Gestaltqualität findet man im Stadium 4: ganz am Ende der Wellenlinie ist das Schwarze nicht so schwarz wie in der Figurmitte. Die Linie ist dort "blasser", das liegt daran, daß die Intensität, mit der man "Helligkeitsunterschied" erlebt, wegen Verringerung der Aktualisierungsstärke geringer ist. Eine Regression von "Dm" im Sinne eines vollständigen Ausfalls der Aktualisierung und damit des Ausfalls der Wahrnehmung eines Helligkeitsunterschieds liegt für die Bezirke außerhalb der Wellenlinienenden dort vor, wo die Linie inzwischen kürzer geworden ist. Das heißt: dort, wo nach wie vor zwar Sinnesreize vorhanden sind, diese der verminderten Aufmerksamkeitszuwendung wegen aber nicht mehr so viel Gestaltreiz Dm provozieren, dass die Aktualisierungsschwelle von Dm überwunden werden könnte. Dort sieht man dann eben gar keinen Helligkeitsunterschied mehr, nur noch das Papierweiß.

Sofort entsteht die Frage: warum, wenn der Unterschied zwischen schwarz und weiß entfällt, man "weiß" sieht und nicht etwa "schwarz". Die Aussage "ich sehe weiß" ist nicht ganz korrekt: ich nehme einen Helligkeitsgrad wahr, der dem Durchschnitt aller Helligkeitsgrade entspricht, die nicht voneinander unterschieden werden können, also ein bestimmtes Grau. Nur: wenn sich etwas Infeld-Schwarz mit viel Umfeld-Weiß vermischt, dann entsteht ein Grauton, der sich von dem bisherigen Umfeld-Weiß kaum unterscheidet - obwohl eine Unterscheidung in diesem Falle - weil der Wahrnehmungsbezirk größer ist - durchaus möglich wäre. 

Ist das Umfeld, dessen Helligkeitswerte sich mit denen des Infeldes vermischen, seinerseits begrenzt, ist die Helligkeitsänderung infolge Mischung wahrnehmbar. Das ist bei meinen aktualgenetischen Versuchen mit Sinnesperzepten der Fall (Kleine-Horst 1987b), etwa bei der Entdifferenzierung eines Kreisrings in eine Kreisscheibe. Natürlich ist durch Erhöhung der Aktualisierungsenergie auch der umgekehrte Vorgang der Differenzierung einer Kreisscheibe (Figur l. Ordnung) in einen Kreisring (Figur 2. Ordnung in Form einer Umfeld-Verdoppelung) herstellbar: dann sieht man, wie sich die das ganze Infeld ausfüllende und homogen verteilte Helligkeit an der Kreisscheibenperipherie zusammenzieht (es wurde mit hellen Figuren auf dunklem Grund gearbeitet) und dort über Zwischenstadien verschwommener Konturen eine scharfe Binnenkontur des hellen Kreisrings ausbildet, während das Mittelfeld die gleichen Helligkeitswerte aufweist wie das Ring-Umfeld (Abb. 25). 

Abb. 6-25. Übergang einer doppelkonturigen Figur in eine einkonturige Figur und umgekehrt

 

Die Reihenfolge der Regression "von oben nach unten"

Es sei nur kurz darauf hingewiesen, dass bei der dargestellten "Auflösung" der Versuchsfigur die Entdifferenzierung zunächst die "oberste" Qualität des Perzeptes betrifft: W, dann auf die niedrigerstufigen übergreift: M und R. Am Ende wird F abgebaut und nachfolgend die Qualität D. Bei genauer Beobachtung ist auch die Deaktualisierung des Faktors I bemerkbar, ehe die Aktualisierung des Faktors Dm ganz unterbleibt. In einigen Fällen von Beobachtungen glaube ich sogar einen Ausfall des Faktors P bemerkt zu haben: einen "black out". Denn wenn nicht einmal P aktualisiert wird, nimmt man buchstäblich "nichts" wahr: für den Bruchteil einer Sekunde glaubte ich, weder "was Schwarzes" noch "was Weißes" wahrnehmen zu können.

Die Reihenfolge, darauf will ich her nur einmal ausdrücklich hinweisen, in der die Gestaltqualitäten bei der Entdifferenzierung aus dem Perzept "herausgenommen" werden, entspricht genau der theoretischen Erwartung, die sich aus der Annahme der hierarchischen Anordnung "von oben nach unten" der diese Qualitäten bedingenden Gestaltfaktoren ergibt.

Auch die Reihenfolge, in der die Regression eines Gestaltfaktors von "relativierender" (Index "r") zu "fomativer (Index "f") Aktualisierung fortschreitet, wie schon im Falle der partiellen De-Aktualisierung der Wohlfahrt-Figur (Nr.5, S.27 ff) festzustellen war, ist hier zu beobachten. 

Bei der genaueren Analyse des Auflösungsstadiums 4 wurden auf der anderen Seite Gestaltfaktoren klammheimlich "eingeschoben", von denen bisher als Gestaltfaktoren nie die Rede war: "Erstrecktheit" und "Orientiertheit". Wir haben bisher nur die entsprechenden Gestaltqualitäten kennengelernt: beim Aufbau komplexer F-Perzepte (Nr.5, S.17 ff). Da es solche Gestaltqualitäten gibt, muß es auch die sie bedingenden (Gestaltfaktoren "Erstrecktheit" und "Orientiertheit" neben. Es läßt sich auf Grund der Analyse des Stadiums 4 auch sagen, an welcher Stelle der Formfaktorenhierarchie sie sich befinden: zwischen dem Faktor "Geradheit" (R) und dem Faktor "Figur" (F). Wenn wir alles, was wir über Erstrecktheit und Orientiertheit wissen, zusammenfassen, bekommt man den Eindruck, dass es kein Unter- bzw. Überordnungsverhältnis zwischen beiden geben kann; sie müssen in derselben Hierarchiestufe angesiedelt sein. In Schrift Nr. 7 werden wir diesen Faktoren wieder begegnen und diese Vermutung bestätigt finden.

[In der 2001 erweiterten Fassung der Theorie wurden im Bereich der Orientierungs- und Formfaktoren einige Korrekturen angebracht.]

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