Die Machtübernahme der Dunkle-Flecken-Forscher

 

1. Die Putsche der neuen Kameraden

1.1. Der Mohr kann gehen

Später hat Graumann (1985) es uns verraten: er und andere Nachkriegsstudenten forschten systematisch nach "dunklen Flecken" ihrer Lehrer. Ferdinand Merz war ein Nachkriegsstudent, der auf "dunkle Flecken" stieß und aus seinem Fund was zu machen verstand, das Gegenteil wie Graumann - siehe Teil 1 -, aber mit demselben unmittelbaren Effekt für seine Karriere. Das war so: 1959 gerade wieder als Präsident bestätigt, mußte Sander 1960 doch plötzlich abtreten. In diesem Jahr sollte in Bonn der Internationale Psychologenkongreß stattfinden. Präsident Sander wäre dann auch der Präsident dieses Kongresses geworden. Nun hagelte es massiven Protest aus dem Ausland, man wollte diesen rassistischen Altnazi nicht als Präsidenten haben. Auf der anderen Seite wollten die Beherrscher Sanders ihre Marionette behalten, aus der sie ihre eigene Macht herleiteten. Aber NS-Kroh war schon lange tot, Wellek war seit 1959 nicht mehr im Vorstand; Lersch war auch nicht mehr der Jüngste. Die alte Garde war also ein bißchen schwächlich geworden; da fühlten sich die jungen Kerls entsprechend stärker. So schickte denn Prof. Arnold aus Würzburg seinen jungen Dr. Ferdinand Merz ins Feld. Der schlug Sander aus demselben. Es war ja ganz einfach, den loswerden, wenn man ihn loswerden wollte, und die Jungen wollten dies jetzt, um selber an die Macht zu kommen.

Merz (1960) macht das so: er würdigt in einem 13-seitigen Aufsatz über "Amerikanische und deutsche Psychologie" kritisch die gleichnamige Dissertation von B.Holzner (o.J.) bei Friedrich Sander. Zweierlei Merz-Kritik ist in unserem Zusammenhang von Interesse: die eine betrifft Holzners Behandlung des Themas. Merz bemängelt, daß

Der Referent beanstandete daher Holzners "Tendenz, seine subjektive Wertschätzung durchblicken zu lassen". Die "beeindruckt den Leser dagegen dort sehr angenehm, wo H o l z n e r seine bewundernde Hochachtung für seinen Lehrer S a n d e r zu erkennen gibt." (S.84). Merz unterstellt Holzner an keiner Stelle auch nur andeutungweise unehrenhafte Motive für seine einseitige Darstellung. Auch ich tue das nicht, habe doch auch ich Holzners Vorwort gelesen. Ja, es ist eben dieser Enthusiasmus für Sander, dem ich jene hochgradige Blindheit zuschreibe, die nötig ist, um die eminente Unterschiedlichkeit von Sanders USA-Artikel (1930) und seines deutschen "Abdrucks" (1932) nicht mit einer Fälschung Sanders zu erklären, sondern mit der

"wenig erfreulichen Übersetzung ins Englische von S.LANGNER. Susanne Langners (später: Autorin von 'Philosophy in a New Key') Grundhaltung scheint der ganzheitspsychologischen wenig freundlich zu sein, was in der Wahl ihrer Termini, die im amerikanischen Kulturbereich "ankommen", erschwert haben dürfte." (Holzner o.J., S.364)

Was Holzner von seinem verehrten Lehrer Sander über den nicht durch Übersetzerinnen verunstalteten Abdruck von Texten für die Zitierweise gelernt hat, demonstriert er in einem Zitat aus jenem Sanderaufsatz (1930): auf 9 Zeilen verändert er 2 x einen Buchstaben, hängt 3 x einen Buchstaben an und schiebt 2 Wörter in den Text ein. Doch das fällt nicht sonderlich auf: wer verschwendet schon gern eine halbe Stunde seines Lebens, um zu erkennen, daß die von Holzner zitierte Stelle in Sanders deutscher Fassung nicht auf S. 244 steht, wie von Holzner angegeben, sondern auf S.239.

Die zweite für uns interessante Kritik von Merz betrifft den Aufweis, wie nahe doch - auch in Holzners Buch - die Gefahr einer Vermischung von Wissenschaft und Weltanschauung liege. Wir kennen sie aus der Nazizeit, und Merz zitiert einige Passagen aus Sanders Naziartikel von 1937 - ohne den Autor zu nennen -: Sanders Versicherung, deutsche Psychologie und nationalsozialistische Weltanschauung seien auf das gleiche Ziel ausgerichtet, und seine Klage, der Begriff Ganzheit würde mit einem Gehalt erfüllt, der nationalsozialistischer Weltanschauung widerspreche.

Merz wird unmittelbar nach seiner Tat von Arnold habilitiert. Sein Aufsatz steht 1960 im 2. Heft der Quartalszeitschrift "Psychologie und Praxis". Im 3. Heft lesen wir die kurze Nachricht der DGPs:

Sieh mal einer an: ein paar kleine Zitatchen aus einem 23 Jahre alten Artikel, den die meisten ohnehin schon kennen, genügen, um den mächtigen Präsidenten in Ohn-Macht fallen zu lassen. Und gerade noch vor einem halben Jahr hatten doch die deutschen Psychologen ihn ein 3. Mal in Folge zu ihrem Präsidenten gemacht. Wenn Sander auf so einfache Weise zu entmachten war, warum hat er dann nach 1945 je wieder Macht erhalten? In all den 15 Jahren nach 1945 hat kein Psychologe je über die Nazizeit gesprochen, es gab nie eine "Vergangenheitsbewältigung". Auch heute ist die Psychologie die einzige akademische Disziplin, die ihre Nazivergangenheit noch nicht "bewältigt" hat. Natürlich nicht, denn sie brauchten den kriminellen und erpreßbaren Nazi Sander nach dem Kriege als Popanz weiter für ihren eigenen Machterhalt.

Eine Folge der Merzschen Kippwirkung: Albert Wellek, seit dem 1959er Psychologenkongreß nach praktisch 20-jähriger Herrschaft nicht mehr im Vorstand, verlor damit nicht nur seine unmittelbare, er verliert mit Sanders Abgang jetzt auch seine mittelbare Vorstandsmacht. Wütend entflammt er (in Heft 4/1960 von "Psychologie und Praxis") eine Verteidigungsrede für seinen Expräsidenten: wenig informiert zeige sich Autor Merz, dieser Simplifikateur, und er macht ihm zum Vorwurf (was wir inzwischen doch als eine Gnade erkannt haben): es sei

"zu fragen woher der Rezensent das moralische Pathos nimmt, durch das er sich ermächtigt fühlt, auf andere mit Fingern zu zeigen, wo er doch selbst dem Lebensalter nach gar nicht in die Lage gekommen sei, sich im 'Dritten Reich' zu bewähren oder nicht zu bewähren." (Wellek 1960, S.182)

Ja, ja, "peinlich" sei freilich, bei Sander solche "Phrasen" zu lesen, aber er erheischt Mitleid für den "unglücklichen Urheber". Was solle denn das alles, schließlich sei der Artikel doch 23 Jahre alt, und er stehe in einer "völlig bedeutungslosen Lehrerzeitschrift" (Kursivbetonung von "Lehrer" im Original). Wellek rechtfertigt auch des Fälschers Nazipropaganda:

- Sander habe unter Druck gehandelt, man bedenke doch "die weltpolitische Lage damals (in der Ära Chamberlain)"

- und bedenke die fachpolitische Lage dazu, da "im fraglichen Jahre 1937 von 'höchster Stelle' gefordert wurde, die Psychologie als eine 'jüdische Wissenschaft' einfach abzuschaffen" (S.181). Zwar konnte ich in der psychologiehistorischen Literatur nichts von einer solchen Forderung lesen, aber, wenn man sie einmal unterstellt, so ist diese Äußerung Welleks in Verbindung mit seiner Akzeptanz von Sanders Progromartikel wohl so zu interpretieren, daß er meint, mit der Abschaffung der Juden sei man der Abschaffung der Psychologie zuvorgekommen.

- Ja, Wellek läßt Sander schon fast als Widerstandskämpfer erscheinen, "der andere zu schützen hatte und nachweislich tatsächlich geschützt hat". Dabei sagt er, der sonst in seinem Artikel so viele Namen nennt, freilich nicht, wer denn die Geschützen waren. So kann man nicht nachprüfen, ob die Geschützen vielleicht deswegen geschützt wurden, weil sie ihrerseits den Fälscher Sander schützten.

Ich war zunächst beeindruckt vom mutigen Merz und dachte: na, endlich einmal einer, der jetzt reinen Tisch machen will mit den Nazis. Aber ich muß Merz (1960) mißverstanden haben. Ihm ging es wohl nicht um eine Aufarbeitung der Nazizeit, er beklagte, daß damals die Vertreter der Leipziger Ganzheitspsychologie "manche der frei gewordenen Stellen besetzen konnten" (S.88). Er erläuterte, um ein Mißverständnis auszuräumen (Merz 1961), daß er nicht nur die freigewordenen Lehrstühle gemeint habe, sondern "gedacht war dabei u.a. vor allem an den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychologie" (S.33). Zwei und drei Legislaturperioden später ist auch er endlich - 1964-1968 - Vorständler, sein Chef Arnold 1964-66 Vorsitzender. Mehr geht nicht, denn nun kommt Graumann.

Die Vorstandsmacht der Forscher-Fälscher-Gang Sander-Wellek-Lersch ist gebrochen. Da Lersch seine Macht über den erpreßbaren Sander definierte, verlor er mit Sanders Entmachtung seine eigene Macht. Da hatte er folgerichtig keine Lust mehr, im Vorstand Dienst zu tun, und schied aus.

 

1.2. "Graumann for president!"

Am 19.9.68 hatte es eine Mitgliederversammlung der DGPs gegeben., die auch etwas beschlossen hatte. Aber es heißt dann in der "Psychologischen Rundschau" von 1969 (Heft 1):

"Zur Neuwahl des Vorstandes war diese Mitgliederversammlung nicht mehr beschlußfähig. In der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 16.XI. in Frankfurt wählten die 34 Teilnehmer, jeweils bei einer Stimmenthaltung, folgende Mitglieder in den Vorstand: Prof. Dr.C.F. Graumann..." usw.  

26) 68-70 C.F.Graumann
M.Irle
G.Reinert
E.Höhn
H.Wegener

27) 70-72 T.Herrmann
J.Drösler
G.Reinert
C.J.Hogrefe
P.Orlik

28) 72-74 K.Pawlik
T.Herrmann
W.H. Tack
C.J.Hogrefe
E.Roth

29) 74-76 H.Feger
K.Pawlik
W.H.Tack
R. Amthauer
A. Vukovich

30) 76-78 M.Irle
H.Feger
L.H.Eckenshagen
R.Amthauer
L.Michel

31) 78-80 E.Roth
M.Irle
W.Michaelis
K.H. Stapf
N.Bischof

32) 80-82 H.Heckhausen
E.Roth
G.Lüer
K.H.Stapf
O.Ewert

33) 82-84 H.J.Kornadt
H.Heckhausen
D.Albert
U.Baumann
B.Rollet

34) 84-86 F.Weinert, München,
H.-D.Kornadt, Saarbrücken
H.Spada, Freiburg
U.Baumann, Salzburg
(M.Amelang, Heidelberg)

35) 86-88 K.Foppa, Bern
F.Weinert, München
R.Kluwe, Hamburg
Ferstl, Kiel
(K.Eyferth, Berlin)

36) 88-90 G.Lüer, Göttingen
K.Foppa, Bern
G.Dahme, Hamburg
Ferstl, Kiel
(Frey, Kiel)

37) 90-92 J.Bredenkamp, Bonn
G.Lüer, Göttingen
G.Dahme, Hamburg
S.Hormuth, Heidelberg
(Montada, Trier)

38) 92-94 U.Baumann, Salzburg
J.Bredenkamp, Bonn, früher Heidelberg
A.Mummendey, Münster
S.Hormuth, Gießen, früher Heidelberg
(K.Pawlik, Hamburg)

39) 94-96 H.Spada, Freiburg
1. U.Baumann
2. A.Mummendey, Münster
Klauer, Heidelberg
M.Wintermantel, Saarbrücken
(Mandl, München)

40) 96-98 M.Amelang, Heidelberg
1. Vize: H.Spada, Freiburg
2. Vize: M.Perrez, Fribourg, Schweiz
Knopf, Frankfurt (aus Heidelberg)
M.Wintermantel (Saarbrücken)
(Hacker, Dresden)

Tab. 1: Die Vorstände der DGPs von 1968 bis 1998

Das heißt: wie auch sonst, stand vorher schon fest, wer welches Pöstchen bekommen sollte, Graumann den Vorsitz. Es gab nur je einen Kandidaten, der anstandshalber sich der Stimme enthielt. Die übrigen "wählten" diesen einen Kandidaten einstimmig. Man kann annehmen, daß es Graumanns Trick war, die Vorstandswahl auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu verlegen (man kann während der ordentlichen Mitgliedsversammlung so lange schwätzen und schwätzen lassen, bis sich der Saal unter die für eine Vorstandswahl vorgeschriebene Mindestanzahl an Mitgliedern entleert hat). Man kann des weiteren annehmen, daß die wichtigsten der 34 Teilnehmer (von schätzungsweise 500 Mitgliedern) von Graumann handverlesen waren.

Zumindest war klar, daß zu dieser außerordentlichen Mitgliederversammlung, in der es vermutlich nur darum ging, einen Vorstand zu "wählen", nur ganz wenige die Reise zum Versammlungsort unternehmen würden. 13 Teilnehmer wurden namentlich genannt: die Professoren K. Eyferth, K.Foppa, O.Graefe, C.F.Graumann, T.Herrmann, E.Höhn, H.Hörmann, M.Irle, H.-J. Kornadt, H.Wegener und die Doktoren P.Orlik, G.Reinert, W.Tack.

 

2. Der Präsidentenmacher

Graumann - das kann ihm ja nicht gerade in der Versammlung eingefallen sein - richtet noch in dieser Mitgliederversammlung zwei Kommissionen ein: eine "Ständige Planungskommission für Ausbildung in der Psychologie" (u.a. mit Herrmann) und eine "Strukturkommission" (u.a. mit Graumann und Kornadt), "die sich mit der Organisation, den Aufgaben und Zielen der DGfPs befassen soll". An diesem Tag übernimmt Graumann die Macht in der DGP; als Vorständler und Kommissions-Mitglieder setzt er Teilnehmer dieser Versammlung ein. Es gilt jetzt, diese Macht unauffällig auszubauen. Zunächst wird aus den zufällig oder gezielt Anwesenden der Vorstand bestimmt. Aus den 13 plus Prof. K.Pawlik, rekrutiert sich für die nächsten 11 Vorstände, bis 1990, stets einer von ihnen (mit einer Ausnahme) als Präsident und/oder Vizepräsident, wie Tab. 1 zeigt.

Für die Zeit ab 1990 gelten schärfere Verhaltensregeln; Graumann hatte geglaubt, mit seinen Kumpanen des 84/86er Vorstandes plus Pawlik den Kleine-Horst endgültig abgeschmettert zu haben, aber 1990 geht der erneut den Vorstand (1988-90) an. Graumann weist seinen Vorstand unter der Präsidentschaft von Prof. Lüer an, ihn erneut abzuschmettern, und der tut das auch. Nun freilich müssen die nächsten Vorstände, angefangen mit dem in einigen Wochen zu "wählenden", ganz wasserdicht gemacht werden. So geschieht es, wie Tab.1 ebenfalls zeigt:

Für 1990-92 setzt Oberpräsident Graumann seinen alten Schüler aus den 60er Jahren, Prof. Dr. Jürgen Bredenkamp, als Präsidenten ein. Die gefügigen Kumpane aus dem 2. Abschmettervorstand, Prof. Dr. G. Lüer und Prof. Dr. G. Dahme, die sich nun auch selbst zu schützen haben, machen den Vize bzw. die Schriftführerin. Als Schatzmeister fungiert Prof. Dr. Stephan Hormuth, früher Heidelberg; er und Prof. Dr. Amélie Mummendey hatten sich kurz nach Graumanns Entlarvung in fraudophiler Weise hervorgetan, indem sie zu einer Veranstaltung den Fälscher Graumann als Hauptreferenten einluden.

Für die nächsten drei Vorstände, den 38. - 40., (der letztere amtiert bis Ende September 1998), benutzt und belohnt zugleich Graumann seine alten Kämpfer aus dem 1.Abschmettervorstand: er macht sie zu Präsidenten: die Proffs. Dres. Baumann, Spada und Amelang, der der derzeitige Präsident ist. Den Vizepräsidenten machen die Präsidenten des Vor-Vorstandes: Bredenkamp, Baumann und Spada. Mit von der Partie sind Hormuth und Mummendey, ferner drei Mann aus dem Hause Graumann, Heidelberg (Klauer und Knopf) und dem Hause Kornadt, Saarbrücken (Wintermantel). Nur im letzten, dem derzeitigen, Vorstand, genehmigt sich der Fälscher den Leichtsinn, sozusagen einen Fälschungsfremden mit in den Vorstand aufzunehmen: Prof. Dr. Meinrad Perrez aus der Schweiz.

 

3. Die Kontinuität der Aktualgenese-Sabotage von 1938 bis 1998 in der Deutschen Forscher- und Fälschergesellschaft für Psychologie

Man kann drei festgefügte Fälscher/Komplizen-Cliquen in der deutschen Psychologie der letzten 60 Jahre ausmachen. Tab. 2 zeigt ihre Zusammensetzung. Die als Fälscher Entlarvten sind in Fettdruck hervorgehoben, sie garantieren die Kontinuität der Aktualgenese-Sabotage über 6 Jahrzehnte. Obwohl der eigentliche Gegenstand der Sabotage, die Aktualgenese, in der 3. Periode gar keine Rolle mehr spielt. Hier geht es nicht darum, die Aktualgenese kaputtzumachen, das war Sanders Ziel. Es geht auch nicht darum, am Kaputtmachen mitzuhelfen, weil man sich davon Karrierevorteile versprach, das waren Undeutschs und Graumanns Ziel. Es geht jetzt für Undeutsch darum, Geld zu machen, und für Graumann, Macht zu erwerben. Und es geht natürlich darum, einen, der einem gefährlich werden kann, weil er die Fälschungen entdeckt hat, unschädlich zu machen. Eventuelle Störenfriede aus den eigenen Reihen kann man mit probaten Mittelchen ausschalten. Aber ein Störenfried von außen, einer, der mit keinem der üblichen Druckmittel wie Nicht-Berücksichtigung bei Berufungen, Verweigerung von Forschungsmitteln usw. ruhigzustellen ist, weil ihn das alles gar nicht betrifft, weil ihn "Karriere" nicht interessiert, der ist schon schwerer zu handhaben. Da muß man schon zu anderen Maßnahmen greifen, damit er sich nicht mehr zu rühren wagt. Schafft er es nämlich, werden die Forschungssabotage und Fälschungen außerhalb der deutschen Hochschulpsychologie bekannt: im Ausland etwa, oder in den Wissenschaftsministerien, und in all den staatlichen und halbstaatlichen Gremien, in denen man sitzt, dann geht die eigene Reputation zum Teufel. Die Reaktion des Vorstands der DGPs und die anderer Psychologen auf meinen Betrugsbericht "Die verhinderte Wissenschaft" wäre zu verstehen, wenn durch wirkliche Ver-öffent-lichung die Macht- und Karriere-Interessen einer Clique gefährdet wäre, die dann aus persönlichen Interessen rabiat ihre Pflichten als beamtete Wissenschaftler als Schlußlicht setzten.

Solange in der Wissenschaft aber nicht klar ist, daß die Aktualgenese nicht deswegen "bedeutungslos" geworden ist, weil ihr von der Sache her keine Bedeutung zukommen konnte, sondern weil sie zerstört worden ist, solange bleibt die Forschung auf dem Gebiet der visuellen Wahrnehmung blockiert, geht die Sabotage weiter, und die nunmehr verantwortlichen Saboteure sind diejenigen, die die Fälschungen Sanders, Graumanns und Undeutschs der Öffentlichkeit vorenthalten. Ich habe seit 1938 bis auf den heutigen Tag drei Cliquen aufgezeigt, die ineinander übergehen. Unter "3. Periode" der Tab.2 habe ich den harten Kern der heutigen Clique aufgelistet. Die erste Clique beginnt sich 1938 zu formieren, als der Urkundenfälscher Sander nach seinem Volksverhetzungsartikel von 1937 vom 1. Vorsitzenden Kroh wieder in den Vorstand der DGPs aufgenommen und 1939 zum 2.Vorsitzenden ernannt wird. Kroh, Sander und Lersch bilden den dreiköpfigen Vorstand von 1940-45. Wellek gehört offiziell nicht dazu, ist aber stets mit von der Partie, er scheint eine Art Stellvertreter des Schriftführers Lersch gewesen zu sein. Undeutsch, Student von Sander, Freund von Wellek, ist eng mit beiden liiert, fälscht für Fälscher Sander, kann ihn erpressen, Wellek weiß es, und fälscht auch ein bißchen mit.

1. Clique

2. Clique

3. Clique

1938-45

1951-60

1960-98

Kroh 1.Vors.

   

Lersch Schriftf.

Lersch 2. Vors.

 

Sander 2. Vors

Sander 1.Vors.

 

Wellek Stellv. Schriftf.

Wellek Schriftf.

 

Undeutsch

Undeutsch Sekt.Leiter

Undeutsch Sektions-L

 

Graumann

Graumann Präs 68-70

   

Kornadt Präs 82-84

   

Weinert Präs 84-86

   

Pawlik IUPsyS 84-96.

   

Bredenkamp Präs90-92

Tab.2: Die drei Forscher- und Fälscher-Cliquen der
Deutschen Gesellschaft für Psychologie

Dieser Nazivorstand von 1940 bis 1945 putscht sich mit der wesentlichen Hilfe Undeutschs in die Postnazi-Vorstände von 1951-60. Undeutsch hilft Sander wieder in den Sattel, dieser hilft ihm bei seinem Dissertationsproblem. 1959 kommt Graumann hinzu, mit seinen diversen Fälschungen für Sander zur Ausbetonierung von dessen Aktualgenese-Sabotage und mit besonderer Dienstleistung für Undeutsch.

Die Kontinuität der Sabotage von der 1. zur 2. Psychologenclique ist durch das Fälschertrio Sander-Wellek-Undeutsch gewährleistet. Die Kontinuität der Sabotage ist auch beim Übergang von der 2. zur 3. Fälscher- und Komplizen-Clique gewährleistet: durch die Person des Fälschers Graumann. Undeutsch gehört allen drei Cliquen an, nimmt aber eine Sonderstellung ein. Er ist selbst nicht an Vorstandsmacht interessiert (zumindest lassen die ihn gar nicht ran: er soll froh sein, daß sie ihn in Ruhe lassen und ihn, wenn nötig, schützen. Und vielleicht schützt der sie ja auch, wenn es mal nötig ist). Die neue Forscher- und Fälscher-Clique von 1960-98 besteht aus dem Fälscher Graumann und seinen Komplizen Weinert, Kornadt, Pawlik und Bredenkamp, natürlich samt einigem Anhang. In dieser Zeit ist mir keine Fälschung von irgendeinem Mitglied dieser Clique aufgefallen. Nur Sander fälscht noch weiter, bis zu seinem Lebensende 1971. Und Wellek fälscht noch ein bißchen mit, bis zu seinem Lebensende 1972, nur diese beiden sind noch aktiv an der Aktualgenese-Sabotage beteiligt. Graumann und die anderen Cliquenmitglieder interessieren sich nicht für die Aktualgenese, aber sie halten die Sabotage Sanders Graumanns und Undeutschs an ihr aufrecht, bis auf den heutigen Tag.

Während des nächsten deutschen Psychologenkongresses in der Zeit vom 27.9. bis 1.10.98 in Dresden wird Fälscher Graumann seinen Vorstand für 1998-2000 bestimmen. Das Motto des Kongresses heißt: "Die Zukunft gestalten". Genau! Denn es gilt, die Kontinuität der Macht im nächsten Jahrhundert zu sichern. Dazu braucht's ein paar Leute, die wissen worauf es ankommt. Braucht keine Führerpersönlichkeit zu sein. Masse der Ja-Sager seit 33 vorhanden. Denke, Hormuth macht Präsidenten, sitzt in Dresden, der Mann ist also gut für Werbung bei den DDR-lern, die sind ja leicht handzuhaben. Als Vize natürlich den jetzigen Präsidenten Amelang, Schriftführerin: A. Mummendey (ist Frau, muß als Präsidentin warten). Kornadt, Weinert, Pawlik und Graumann können sich ja ein bißchen um die Präsidenten kümmern. Kornadt macht das ja jetzt schon bei Hormuth, ist ja alter Hase, der Kornadt. Tüchtiger Mann. Schon 85 bestens bewährt.

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Vielleicht werden ein paar über mich herfallen wollen, solche, die sich die Fälschungen und die Fälscher gefallen ließen, aber empfindlich reagieren, wenn sie als Gefallenlasser genannt werden. Ich lasse sie kommen. Vielleicht gibt es dann bald eine überarbeitete Ausgabe, in denen einige Ausdrücke fortbleiben. Um so prägnanter kommen dann die Fakten heraus, es werden dann allerdings noch weitere Fakten hinzukommen. Bis der 73-jährige Krimi ganz zuende ist, könnte es noch etwas dauern.

Aber vielleicht gibt es parallel hierzu eine "Wende"? Wird irgendjemand die Mafia offiziell entmachten? Werden gar einige Psychologen sich stark machen, um auch die Hintergrund-Macht der Mafia zu brechen und die Zukunft anders zu gestalten als die Vergangenheit war?

Wird es auch in der Sache selbst eine "Wende" geben? Denn um die geht es mir ja letztlich. Um sie zu erreichen, habe ich mich - alle Zeiten zusammengerechnet - drei bis vier Jahre meines Lebens mit diesen Kriminellen und ihren Komplizen herumschlagen müssen.

Werden jetzt einige Wahrnehmungswissenschaftler daran gehen, den Schaden zu begrenzen, indem sie endlich relevante Forschung treiben und dabei faszinierende neue Erkenntnisse zutage fördern?

Wir werden sehen.

Aus: Lothar Kleine-Horst (1998): "60 Jahre deutsche Psychologenmafia (1938-1998)". Köln: Enane-Verlag
(Teil 3, Kap. III, evt. mit Ergänzungen in eckigen Klammern aus 2006)

Zu Teil 4:

"Der Schaden für die internationale Wissenschaft"

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